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/// Anerkennung für kulturelle Bildungspartnerschaften: Jurys des MIXED UP Wettbewerbs haben entschieden



Die Preise im MIXED UP Bundeswettbewerb für kulturelle Bildungspartnerschaften gehen an neun zukunftsweisende Kooperationsprojekte zwischen Schulen bzw. Kitas und Partnern der kulturellen Kinder- und Jugendbildung.

Kulturelle Bildungspartnerschaften schaffen neue Orte und Gelegenheiten für kulturelle Teilhabe und demokratischen Dialog – in der Schule, in der Kindertageseinrichtung, im Stadtteil, im Dorf und sogar weltweit. In diesem Jahr richtet sich der MIXED UP Wettbewerb nicht mehr nur an Kooperationen zwischen Schulen und Akteuren der kulturellen Kinder- und Jugendbildung. Auch herausragende Kooperationen mit Kitas und mit internationalen Partnern werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und dem Pädagogischen Austauschdienst prämiert.

„Die Preisträger-Projekte, aber auch viele weitere Finalisten, zeigen auf beeindruckende Weise, wie diversitätssensible Konzepte aufgehen, Kooperationen langfristig gelingen und regionale Netzwerke erfolgreich Kunst und Kultur in die Fläche bringen können“, sagt Alexander Luttmann, Vorsitzender der Fachjury und Mitglied des BKJ-Vorstands. „Die MIXED UP Auszeichnung ist eine wichtige Anerkennung für die Preisträger*innen, aber auch eine Einladung an alle anderen zum Weiter- und zum Nachmachen.“

Eine Jugend- und eine Fachjury haben aus 51 Finalisten die neun MIXED UP Preisträger 2017 ausgewählt. Insgesamt 182 Kooperationsteams aus Kultur und Schule bzw. Kita hatten sich an der 13. Wettbewerbsrunde beteiligt.

Das sind die MIXED UP Preisträger 2017:

MIXED UP Preis Partizipation (vergeben durch die MIXED UP Jugendjury)

Creativity connected – die AG (Dortmund)

„Creativity connected – die AG“ ist eine Weiterentwicklung einer bestehenden Kooperation des Projekts „Angekommen in deiner Stadt Dortmund“ mit Dortmunder Schulen, welche sich mit künstlerischen Workshops an geflüchtete Jugendliche* richtete. Das von Schüler*innen der Johann-Gutenberg-Realschule und aus internationalen Förderklassen des Paul-Ehrlich-Berufskollegs gemeinsam weiterentwickelte Konzept umfasst Musik-, Tanz-, Film-, Foto-, Kunstprojekte, die an den beteiligten Einrichtungen im Wechsel als gemeinsame Arbeitsgemeinschaften (AG) stattfinden. Die Gestaltung von selbst geschriebenen Songs, Action-Painting und die Produktion von Musikvideos stehen zunächst im Vordergrund, Lightart und Tanz folgen für eine Livepräsentation. „Uns hat ein Projekt besonders überzeugt: durch das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, verschiedener Altersgruppen und auch besonders durch seine Aktualität. Den Schüler*innen werden neue Möglichkeiten geboten und jede*r von ihnen wird individuell in seinen Stärken gefördert. Es ist nicht schlimm, dass die Kooperationspartner bereits 2016 einen MIXED UP Preis gewonnen haben. Im Gegenteil: Es zeigt sich, dass sie etwas aus dem Preisgeld gemacht haben!“, begründet die MIXED UP Jugendjury ihre Wahl.

MIXED UP Preis Kita

TUKI – Theater und Kita: Das Tandemprogramm (Berlin)

„TUKI“ initiiert und begleitet Partnerschaften zwischen Kitas und Theatern über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Kinder zwischen zwei und sechs Jahren lernen das Theater sowohl  als Zuschauer*innen als auch als Spieler*innen kennen. Dazu besuchen sie ein Theater und bekommen Besuch von Künstler*innen oder Theaterpädagog*innen in der Kita. Auch die Erzieher*innen werden intensiv eingebunden und setzen am Ende der dreijährigen Partnerschaft die Theaterarbeit mit den Kindern selbständig fort. Die Auswahl des ersten Preisträgers in der Kategorie Kita begründet die MIXED UP Fachjury wie folgt: „Das Tandemprogramm ist ein beeindruckendes, stadtweites Netzwerk von Theatern und Kindertageseinrichtungen, das sich seit seiner Gründung vor acht Jahren stetig weiterentwickelt und dabei die gegenseitige Prozessbegleitung und Professionalisierung in den Fokus rückt. Unter Einbindung kompetenter Kulturpartner und in dem Bemühen um strukturelle Verankerung kommt ‚TUKI‘ dem Ziel umfassender kultureller Teilhabe für die Jüngsten sehr nahe.“

MIXED UP Preis International (gestiftet durch den Pädagogischen Austauschdienst aus Mitteln des Auswärtigen Amtes)

Museum der Träume (Hürth und Burhaniye, Türkei)

Träume sind eng mit der Lebensrealität von 15- bis 16-Jährigen verknüpft, da sie sich an der Schwelle zum Erwachsenwerden mit Lebensentwürfen, Ideen für eine bessere Welt und der Loslösung von Kindheitsträumen beschäftigen. Zu ihren Träumen kuratieren Jugendliche vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in  Hürth und von der Gesamtschule Celal Toraman Anadolu Lisesi in Burhaniye, Türkei, eine gemeinsame Ausstellung aus bildender Kunst und Musik. Unterstützt werden sie von der Künstlerin Angelika Levi. Trotz – oder sogar wegen –  sprachlicher Schwierigkeiten und Missverständnisse gelingt der Gruppe eine eindrucksvolle Ausstellung. Das deutsch-türkische Projekt überzeugt die Fachjury durch den lebensweltnahen Ansatz und das konstruktive Aufgreifen aktueller politischer Entwicklungen. Kulturelle Bildung sei hier „kein Beiwerk der internationalen Begegnung“, sie bilde „den Ausgangspunkt der Auseinandersetzung. Das Thema Träume gemeinsam und im Dialog mit Dritten zu durchleuchten, stellt für die beteiligten Jugendlichen* eine zukunftsrelevante Lernerfahrung dar.“ 

MIXED UP Länderpreis Niedersachsen (gestiftet durch das Niedersächsische Kultusministerium)

ganz schön anders – Filmworkshops und Wettbewerb (Göttingen)

Beim inklusiven Kurzfilmwettbewerb „ganz schön anders“ von Blickwechsel e. V., dem Verein für Medien- und Kulturpädagogik und dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Oldenburg können ausnahmslos alle Schüler*innen in Niedersachsen mitmachen. In zweitägigen Drehbuch- und Filmworkshops mit Filmschaffenden lernen die Schüler*innen gemeinsam das Filmhandwerk kennen – danach stellen sie die Filme eigenständig fertig. Beim Finale vor 450 Schüler*innen präsentieren die zehn besten Teams ihre Filme mit Untertiteln, einer Live-Audiodeskription und in Gebärdensprache. „Das Kooperationsprojekt schafft niederschwellige und barrierefreie Zugänge in den Bereichen Medien und Film, stärkt die beteiligten Kinder und gibt ihnen Vorbilder“, so die MIXED UP Fachjury. „Die schulform- und fächerübergreifende Projektstruktur, die auch Fortbildungen für Lehrkräfte integriert, ermöglicht niedersachsenweite Wirkung.“

MIXED UP Preis Bildungslandschaft

KS:BAM (Bamberg)

Der Kultur.Service Bamberg für Schulen und Kitas (KS:BAM) bündelt, vermittelt und fördert kulturelle Kooperationsprojekte an Schulen und Kitas im Raum Bamberg. Die Aktivitäten des KS:BAM sind vielfältig: Er informiert über Projekte in der Region und führt eigene Projekte durch, schafft Gelegenheiten zur Vernetzung und Fortbildung, verleiht Preise und arbeitet u. a. mit dem Programm „Kultur.Klassen“ daran, Kulturelle Bildung in Schulen dauerhaft zu verankern. Die MIXED UP Fachjury begründet ihre Auswahl wie folgt: „Das Kooperationsprojekt blickt als kommunale Koordinationsstelle von Stadt und Landkreis Bamberg bereits auf eine zehn Jahre lange Zusammenarbeit in der Bildungslandschaft zurück. Zugrunde liegt eine umfassende Säulenstruktur, die alle grundlegend notwendigen Arbeitsfelder sowie einige zusätzliche Servicefunktionen umfasst. Dabei wird das gesamte Stadtgebiet der Stadt Bamberg in den Blick genommen. Durch die interkommunale Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis gelingt zudem der Brückenschlag in die Region.“

MIXED UP Preis Ländlicher Raum

Begegnung mit dem „Fremden“ – Inszenierte Fotografie (Oldenburg/Bad Zwischenahn)

Sie sind erst kürzlich im Ammerland angekommen: 15 Jugendliche* im Alter von 14 bis 17 Jahren aus sechs verschiedenen Nationen. Mittels inszenierter Fotografie „erobern“ sie das „fremde Land“ als ihr neues Lebensumfeld. Dabei knüpfen sie Kontakte zu Einheimischen* aus Bad Zwischenahn, die Requisiten, ihre Arbeitsstätte oder sich selbst als Statist*innen zur Verfügung stellen. Die Ergebnisse werden u. a. auf großen Bannern im Zentrum von Bad Zwischenahn präsentiert. Die MIXED UP Fachjury zeigt sich überzeugt von dem „impulsgebenden transkulturellen Interaktionsprozess, in dem über Methoden der ästhetischen Forschung alle Beteiligten gleichermaßen eingebunden und wertgeschätzt werden“. Für Akteure in ländlichen Räumen biete das Projekt des slap – social land art project e. V. und der Oberschule Bad Zwischenahn wegweisende Impulse: „Vorhandene Ressourcen werden hier gut genutzt und die Potentiale der ländlichen Region in den Fokus gerückt.“

MIXED UP Preis Dauerbrenner

Stranger than … (München)

Im Tanztheater-Projekt „Stranger than ...“ von Spielen in der Stadt e. V. im Rahmen der Initiative „Culture Clouds“ setzt sich eine 8. Klasse der Mittelschule Guardinistraße in München ein Jahr lang mit Mitteln des Tanzes und des Theaters, mit Körper und Sprache mit dem Nationalsozialismus auseinander. Die Klasse besteht aus 22 Schüler*innen mit neun Nationalitäten; einige sind selbst vor Krieg und Terror geflüchtet. Sie besuchen Gedenkstätten, Ausstellungen, Theaterstücke, befragen Zeitzeug*innen, recherchieren in Archiven, schreiben und lesen Texte, tanzen, spielen und versuchen das Unfassbare zu einer körperlichen Erfahrung werden zu lassen – immer im intensiven Austausch mit den Mitarbeiter*innen des NS-Dokumentationszentrums, das Kooperationspartner des Projekts ist. Am Ende steht eine öffentliche Aufführung im NS-Dokumentationszentrum. „Eingebettet in eine langjährige Gesamtstrategie für kulturelle Ganztagsbildung zeigt das Projekt, welche besonderen Lernsettings entstehen, wenn sich verschiedene Bildungsakteure zu einem Kooperationsverbund zusammenschließen“, begründet die MIXED UP Fachjury ihre Entscheidung. „Wir haben es hier mit einer langfristig angelegten und an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen* ausgerichteten Verankerung Kultureller Bildung im Ganztagsschulalltag zu tun. Zukunftsweisend ist zudem der praktizierte Ansatz mit Blick auf das Thema Erinnerungskultur.“

MIXED UP Preis Zusammenspiel

Laboratorium Bill Viola (Hamburg)

Die Deichtorhallen in Hamburg arbeiten seit 2011 mit dem Kulturforum21 der katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg zusammen. Zum 500. Reformationsjubiläum öffnet sich die Kooperation für Schulen anderer Konfessionen. Über 300 Schüler*innen der Klassenstufen 1 bis 12 gestalten zusammen mit Künstler*innen der Deichtorhallen ganz persönliche, existenzielle, meditative und sakrale Räume in ihrer alltäglichen Umgebung. Die MIXED UP Fachjury würdigt die nachhaltig angelegte und professionell ausgestaltete Zusammenarbeit der beteiligten Kooperationspartner: „Ein schulformübergreifendes Netzwerk mit kompetenten Partnern schafft ein gelungenes Modell für Kulturelle Bildung als Koproduktion.“

MIXED UP Preis Diversity

Manege frei für Inklusion (Jena)

In Kooperation mit Circus MoMoLo ist die Zirkusmanege seit mehr als zehn Jahren ein außerschulischer Lernort für Kinder und Jugendliche an der Gesamtschule UniverSaale von QuerWege e. V. in Jena. Für die Schüler*innen der 5. und 6. Jahrgänge gehört eine Zirkustrainingseinheit von acht Doppelstunden zum Sportunterricht. Neben einer Zirkuswerkstatt alle zwei Jahre findet pro Schuljahr eine Zirkus-Projektwoche statt. Eine Schulzirkus-AG steht Schüler*innen aller Jahrgänge, interessierten Eltern sowie Pädagog*innen in ihrer Freizeit zur Teilnahme offen. „In dem Projekt Manege frei wird Inklusion gelebt. Es werden Lebenswelten miteinander verbunden, Möglichkeiten der klassenübergreifenden Mitgestaltung geschaffen und es wird Gemeinschaft gestaltet“, so die MIXED UP Fachjury. Auf Ebene der Kooperationspartner und Teilnehmer*innen finde zudem jede*r seinen Platz und leiste seinen*ihren Beitrag: „Zirkus wird zum festen Bestandteil des Schullebens, mit einem gemeinsam abgestimmten Bildungskonzept.“

Praxisforum und Preisverleihung

Die feierliche Vergabe der MIXED UP Preise durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Niedersächsische Kultusministerium wird am 29. November 2017 im Rahmen eines bundesweiten Praxis- und Vernetzungsforums im Kulturzentrum Pavillon Hannover stattfinden.

Weitere Informationen

Mehr zu den Preisträgern

Informationen und Anmeldung zu Praxisforum und Preisverleihung

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