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/// Edda Akkermann: „Mut zum Ungewöhnlichen“



Durch Kunst die neue Heimat kennenlernen – das ist das wichtigste Anliegen von slap – social land art project. Wie dem Verein in Zusammenarbeit mit Schulen in der ländlichen Region rund um Oldenburg immer wieder außergewöhnliche und preisgekrönte Projekte mit jungen Menschen gelingen, die oft erst kurze Zeit in Deutschland leben, beschreibt Edda Akkermann von slap im Interview.

BKJ: In Deutschland anzukommen und sich zurechtzufinden, ist für junge Menschen zum Beispiel aus Afghanistan sicherlich nie leicht. Ist das Ankommen „in der Provinz“ besonders schwierig?

Portät von Edda Akkermann. Foto: privatEdda Akkermann: Die Verkehrsanbindung ist ein großes Problem. Die Jugendlichen* wohnen zum Teil in kleinen Dörfern, in denen nur einmal am Tag ein Bus fährt. Dort gibt es kaum Kulturangebote oder andere Treffpunkte für Jugendliche. Durch die Projekte, die wir bislang im Ammerland durchgeführt haben, entdecken die Kinder und Jugendlichen* ihre neue Lebenswelt. Wir suchen unter anderem Orte auf, an denen sie sich sozial vernetzen können, wie Jugendfreizeitstätten, Sportvereine und Kultureinrichtungen, immer mit dem Auftrag, den Ort mit künstlerischen Mitteln zu erforschen und zu dokumentieren. Wir zeigen, wie sie vom Standort der Schule dorthin kommen können. Der Dialog zwischen den Kindern unterschiedlicher Kulturen, die sich in ihrer neuen „Sprachlernklasse“ zum ersten Mal begegnen, wird über das gemeinsame Kreativsein jenseits von Sprachbarrieren gefördert. Im Rahmen des Projektes können Vorurteile revidiert und ein partnerschaftliches Miteinander erlernt werden.

BKJ: Wie kann ein „ästhetisches Forschungsprojekt“ den Jugendlichen* helfen, ihre neue Lebenswelt zu erkunden? Lernen dabei auch die Einheimischen etwas?

Edda Akkermann: Mit der künstlerischen Methode der „ästhetischen Forschung“ setzen sich die Jugendlichen* in einem kreativen Prozess mit ihrer Lebenssituation in der fremden und neuen Umgebung intensiv auseinander. Die Interessen der Jugendlichen* stehen im Vordergrund. Auf ausgedehnten Forschungstouren zu Fuß, mit dem Fahrrad, der Bahn oder mit dem Schiff entdecken die Jugendlichen* Neues. Aus Fragen entwickeln sich komplexe Themenfelder. In dem Projekt „Begegnung mit dem ‚Fremden‘“ bei dem die „Inszenierte Fotografie“ das künstlerische Mittel war, haben die Jugendlichen auch mit Traditionen ihrer Herkunftsländer gespielt. Da wurde beispielsweise in einer Bäckerei auf dem Fußboden gegessen. In anderen fotografischen Inszenierungen posierten Menschen in einem Altersheim, eine Polizistin trat in einer Szene über ein Parkverbot auf,  und ein Waggon einer Regionalbahn wurde zum Friseursalon umgestaltet.

In unseren Projekten treten die Jugendlichen mit Einheimischen in Interaktion. Einheimische Handwerksbetriebe, Geschäfte  und Vereine werden besucht. Es kommt zu einer gegenseitigen Verständigung über das gemeinsame Interesse und die künstlerische Aktion. Eine große Herausforderung, aber auch eine tolle Erfahrung, auf Menschen in einem fremden Land zu stoßen, die hilfsbereit sind und mitwirken. Ich denke, was dabei vor allem gelernt wird, ist gegenseitige Toleranz und Achtung.

Mit „Begegnung mit dem ‚Fremden‘“ hat „slap“ im  Herbst 2017 bereits zum zweiten Mal den MIXED UP Preis Ländlicher Raum gewonnen. Lässt sich aus der Art, wie sie in ihrer Region arbeiten, etwas ableiten, das sich Menschen in anderen ländlichen Regionen abgucken könnten?

Edda Akkermann: Ich würde sagen, den Mut zu ungewöhnlichen Aktivitäten an außergewöhnlichen Orten zu haben. Wichtig ist auch, mit unvorhergesehenen Gegebenheiten flexibel umgehen zu können und dabei die Qualität des Projektes immer wieder zu überprüfen. Eine gute Infrastruktur innerhalb des Ortes mit Schulen, Vereinen und Ortsansässigen zu bilden, ist hilfreich. Netzwerke sollten gepflegt und erweitert werden. Kontakte und Verlässlichkeiten sind Voraussetzungen für gelungene Projekte. Das betrifft unter anderem die Verfügbarkeit von Räumen, von technischem Equipment und die Freistellung der Jugendlichen vom Schulunterricht. Viele Details sind wichtig und sollten vor Beginn eines Projektes kommuniziert werden. Die ländliche Region Ammerland erleben wir als aufgeschlossen. Viele Wege sind kürzer als in der Großstadt und unsere Aktivitäten mit geflüchteten und zugewanderten Kindern und Jugendlichen werden begrüßt und gefördert.

Weitere Informationen

Logo MIXED UP Bundeswettbewerb für kulturelle Bildungspartnerschaften„Begegnung mit dem ‚Fremden‘“ war ein Kooperationsprojekt von Social land art project (Slap) e. V. und der Oberschule Bad Zwischenahn. Mittels inszenierter Fotografie „eroberten“ 15 Jugendliche* im Alter von 14 bis 17 Jahren aus sechs verschiedenen Nationen das „fremde Land“ als ihr neues Lebensumfeld. Dabei knüpfen sie Kontakte zu Einheimischen* aus Bad Zwischenahn, die Requisiten, ihre Arbeitsstätte oder sich selbst als Statist*innen zur Verfügung stellten.

> MIXED UP Preis Ländlicher Raum 2017: „Begegnung mit dem ‚Fremden‘“

slap e. V. – social land art project

Foto: privat

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