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/// IXYPSILONZETT - Das Magazin für Kinder- und Jugendtheater erschienen



Schwerpunkt der Ausgabe 03.2011: Selbstständig und Beständig. Junges Theater schafft neue Räume in Hamburg, Cottbus, Dresden und Hannover

Editorial von Wolfgang Schneider

Im Januar diesen Jahres haben wir noch von der Krise berichten müssen (Heft 01/11), im März stand der Welt-Kindertheater-Tag in Deutschland ganz im Zeichen der kulturpolitischen Aktion, Theater für ein junges Publikum in Stadt und Land anlässlich kommunaler Bedrohungen und föderaler Geringschätzung zu propagieren (siehe die Dokumente in dieser Ausgabe) und im Mai mussten wir in Berlin, Malmö und Kopenhagen noch einmal zeigen, was künstlerisch auf dem Spiel steht (Heft 02/11), wenn Kürzungen gefordert und Förderungen gekürzt werden. Und heute?

Heute gibt es keine Entwarnung: Wehret den Anfängen! Aber es gibt auch Grund zur Freude; denn Grund und Boden sind bereitet, um Kinder- und Jugendtheater möglich zu machen. Wir berichten über Neubauten und Planungsneuheiten, wir nehmen mit Genugtuung zur Kenntnis, dass in unserer institutionalisierten Theaterlandschaft weitere Immobilien hinzukommen.

Vor vielen, vielen Jahren war es die ASSITEJ, die zusammen mit dem Freiburger Kinder- und Jugendtheater darüber nachdachte, wie das Theater der Zukunft aussehen könnte, wie man alte Baustrukturen für neue Kunstprojekte nutzen sollte, wie man auch dem Freien Theater eine Heimstatt gewähren müsste. Das Theater im Marienbad wurde geboren, besser gesagt umgebaut, erschlossen, ein Dach für die dramatische Kunst, ein Proben- und Produktionsort, die Spinne im Netz der verschiedensten Künste.

Viele schöne Beispiele wären zu nennen; denn Freiburg war nur der Anfang einer Ära, einer Gründungswelle quer durchs Land: Diedorf, Nürnberg, Stuttgart oder Köln und jetzt: Hannover, Cottbus, Dresden oder Hamburg. Was macht uns so freudig? Die Hoffnung, dass die normative Kraft des Faktischen obsiegt! Was in Stein gemeißelt, lässt sich nicht so schnell sprengen. Das ist die kulturpolitische Komponente. Was aber viel wichtiger ist, Kinder- und Jugendtheater mit eigenem Haus bewirken Selbständigkeit und Beständigkeit, sie befördern Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein, sie bieten Chancen für Raum- und Spielplangestaltung. „Im neuen Gebäude können wir schalten und walten...“ sagen die Macher, sie wollen neues „Terrain erschließen“, neue Publika erreichen, Jugendtheater „nahbarer machen“. Das Haus solle „Kulturkraftwerk“ werden und der (kulturellen) „Energieversorgung“ dienen, und das sei eine Frage der „Signalwirkung“, des „Images“ und der „Ästhetik“.

Also wäre zu konstatieren: Die künstlerische Komponente, das Theater als „Prozess“, als „Labor“, als „Versuchsfeld“; vom Keller bis zum Dachboden, Innen und Außen; am besten als black box, um das Theater immer wieder neu erfinden zu können. Das könnte eine Marke werden: Das Kindertheaterhaus. Das ist das, wo’s wuppt. Das sind die, die mich meinen. Das ist da, wo die Künstler die Kleinen ganz groß machen. Ein „Kommunikationsknotenpunkt“ der Generationen. Spielen und spielen lassen. Ganz wie es Theater und Pädagogik erfordern. Denn neben den Inszenierungen sind es die Begegnungen, neben den Wahrnehmungsschulungen die Workshoperfahrungen, neben der Akademie das Puppentheater, neben der Operette das Kleine Haus, neben dem offenen Haus die neue Theaterheimat. Theater braucht Räume, Kinder- und Jugendtheater braucht „Arbeits- und Lernräume“, „Orte zum Verweilen“, „mehr spannend als entspannend“.

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